Angemessene Verteidigungsstrategie?

Vor einigen Wochen habe ich hier über die Rezensionsangst einer israelischen Wissenschaftlerin geschrieben. Diese hat sich über die Besprechung ihres Buches auf Global Law Books dermaßen geärgert, daß sie eine Klage gegen den Herausgeber, Joseph Weiler angestrengt hat. Gestern landete ein Kommentar zu diesem Beitrag in meiner Moderationsliste. Der Kommentator gibt sich als Ehemann der israelischen Wissenschaftlerin, Karin Calvo-Goller, aus und verweist mit seinem Kommentar auf eine von ihm erstellte Seite, welche seine Sichtweise (stellvertretend für die Klägerin) darstellt.

Die verlinkte Seite ist systematisch aufgebaut. Zuerst wird der Hintergrund der Klage dargestellt, also der Briefwechsel zwischen Karin Calvo-Goller und Joseph Weiler, anschließend die Gründe für die Klage aufgeführt: Es galt die Reputation zu schützen, welche durch die Rezension in Gefahr geraten sei. Drittens wird Joseph Weiler ein rüdes Foul vorgeworfen, weil er die interne Auseinandersetzung um die Angemessenheit einer Rezension zu einer Frage der Wissenschaftsfreiheit stilsierte und damit eine öffentliche Kampagne gegen Karin Calvo-Goller losgetreten hätte. Viertens wird der journalinterne Auswahlprozess zu rezensierender Bücher in Frage gestellt und mit einer langen Auflistung möglicher anderer Bücher insinuiert, hier handele es sich mit Karin Calvo-Goller um ein bewußt ausgewähltes Ziel. Gleichzeitig wird die Kompetenz des Rezensenten, der Kölner Rechtswissenschaftler Thomas Weigend, nachhaltig in Frage zu stellen versucht. Abschließend wird die Qualität der Rezension dadurch in Zweifel gezogen, daß ihr einerseits Fehler im Detail nachgewiesen werden und andererseits auf äußerst positive Rezensionen verwiesen wird, die dann von ‚echten‘ Experten verfasst wurden.

So… und nun?

Max Steinbeis nennt – übrigens für genau diesen Fall – schon die Regel, deren Gültigkeit ich bislang auch angenommen habe:

Regel Nr. 1 bei schlechten Kritiken: Cool bleiben, Zorn runterschlucken und NIE NIE NIE gerichtsmäßig werden. Nicht mal andeuten. Nicht mal drüber nachdenken.
Wenn die Kritik aber fies und total unberechtigt ist? Wenn sie einem den Ruf versaut? Einen ruiniert, zerstört, unmöglich macht?
Dann auch. Gerade dann.

Was denkt Ihr? Ist es klug, auf eine negative Rezension zu reagieren oder sollte besser geschwiegen werden, gerade auch, weil eine überzogene Rezension viel über den Rezensenten und wenig über das eigene rezensierte Buch aussagt?

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