Täter und Tat

Muriel stellt die moralphilosophisch spannende Frage nach dem Unterschied zwischen Täter und Tat am Beispiel von Pädophilie. Aktuell wird – aufgrund schwieriger Abgrenzungsfragen – nicht nur der Mißbrauch von Kindern bestraft, sondern auch der Besitz von Material, welches die Straftat darstellt. Damit wird der Pädophile (und alle anderen auch), ohne daß er ein Kind mißbraucht, ebenfalls bestraft und der zivilisatorische Fortschritt im Strafrecht – die Unterscheidung von Täter und Tat bei Bestrafung vorrangig von Letzterem – in Frage gestellt. Das klingt zunächst alles abstrakt. Aber Muriel gewinnt dem Thema eine konkrete Dimension ab: Wie sieht die Bewertung des Problems aus, wenn Pädophile mit Prostituierten verkehren, die ihrerseits wie Kinder wirken, aber keine Kinder mehr sind?

[…] wäre es nicht sogar gewissermaßen eine ganz fantastische Sache, wenn Pädophile auf diese Weise legal ihre Fantasien ausleben könnten, ohne damit Minderjährigen zu schaden?

Zwar holt man sich damit das Problem Prostitution und damit die Objektivierung von Personen, Ausbeutung, Menschenhandel usw. usf. ins Haus. Aber wenn man nicht gerade am kantischen Rigorismus leidet, wäre das dann nicht vielleicht doch zu rechtfertigen?

Die Beantwortung dieser Frage steht im Verhältnis zur Frage, wie man zur Prostitution steht. Und das eigene Verhältnis zur Prostitution ist wiederum von deren faktischer Ausgestaltung abhängig. Ist die Prostitution einem ungeregelten, schwarzen Markt ohne einem normativen Korsett ethischen Minimums überlassen, bedeutet das eben Zwangsprostitution, Menschenhandel und vor allem auch die Reduktion der Person auf ein Objekt gieriger Triebabfuhr im Tauschwert einiger Euros. Ob man hier ein Übel gegen ein anderes Abwägen will und damit faktisch die 18 Jahre alte Ukrainerin zugunsten des 14 Jahre alten Kindes dem gleichen Schicksal ausliefert, ist schwer zu beantworten und läuft auf das Entscheiden von Unentscheidbarem hinaus.

Andererseits, um wieder auf die Ebene der Konstruktion philosophischer Beispiele zu wechseln, wäre es doch im Fall eines geregelten Marktes der Prostitution, der genau jenes ethische Minimum sicherstellt, welches Menschenhandel und Zwangsprostitution ausschließt, geradezu wünschenswert, wenn der Pädophile seine Triebe auf diese Weise auslebt. Oder?

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