Tea Party und Star Trek

Die Überschrift verspricht eine abgefahrene Assoziationskette. Also, los gehts: Rich Iott ist Tea Party-Kandidat für Ohio. Noch ein wacko. Allerdings dieses mal einer von der irritierenden Sorte (beachtet vor allem das Video!):

I’ve always been fascinated by the fact that here was a relatively small country that from a strictly military point of view accomplished incredible things. I mean, they took over most of Europe and Russia, and it really took the combined effort of the free world to defeat them […]. From a purely historical military point of view, that’s incredible (via).

Nicht schwer zu erraten, welches Land gemeint ist. Diese Ansicht von der kleinen bewundernswerten Nation, die sich aus dem Versailler Vertrag und den Folgen der Depression innerhalb weniger Jahre durch Disziplin, Mut, straffe Organisation und Fleiß heraus gekämpft hat, ist weit verbreitet. Bewundernswert allerdings nur, wenn der Fokus der Bewunderung sich allein auf diese qualifizierenden Adjektive kapriziert.

Wie weit verbreitet dieses Sicht ist, zeigt ein ganz kleines Detail aus der Star Trek-Folge Patterns of Force, die in Deutschland lange Zeit indiziert war. Hier treffen Kirk und Spock auf einen Planeten, dessen Bewohner die nationalsozialistische Ideologie komplett kopiert haben – inspiriert durch den verdeckten Beobachter der Federation, John Gill. Auf die Frage, warum ausgerechnet Nazi Germany zum Modell genommen wurde, entspannt sich ein Dialog, der eine Spur zu dem obigen Zitat von Rich Iott legt. Kirk und Spock – in schnittigen schwarzen Anzügen von Hugo Boss – oszillieren zwischen den Vorteilen straffer Staatsorganisation einerseits und der Verurteilung der Ideologie andererseits, wobei Spock den Stichwortgeber für Rich Iott abgibt. Patterns of Force ist komplett bei youtube in fünf Segmenten verfügbar (1, 2, 3, 4). Der hier erwähnte Dialog findet sich im fünften Segment von 00:00 bis 01:30.

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11 Antworten zu Tea Party und Star Trek

  1. philgeland schreibt:

    Tea-Party und Star Trek?
    Soo abgefahren ist die Assoziationskette gar nicht.
    Und das nicht nur wegen dem Video.

    • Don Gomez schreibt:

      Hmm, schade! Ich hoffte auf etwas Originalität. Naja egal! Können Sie weitere Beispiele für diesen Zusammenhang nennen? Danke!

      • philgeland schreibt:

        Vielleicht so:
        Bibelfeste Siedler ziehen mit ihren Waggons gen Westen und betreten „Welten, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat“.

      • Don Gomez schreibt:

        Stimmt, das gibt dem noch mal eine neue Richtung, in die ich gar nicht gedacht hatte. Ich war stattdessen in meiner Erwartung viel enger fokussiert auf den Zusammenhang von Rechtfertigung der guten Seiten des NS-Regimes, Tea Party und Star Trek.

  2. philgeland schreibt:

    Die Verbindung der drei im obigen Post miteinander „verwebten“ Begriffe halte ich für ziemlich gut – gerade oder obwohl dies ein sehr breites Feld für Kommentare bietet.

    „Star Trek“, z.B. war halt unter anderem schon immer auch so was wie ein „Zeitgeistbarometer“. Das fängt bei dem sich verändernden „Design“ der „Enterprise“ an, geht über die „Themen“ und hört bei der „Besatzung“ auf. Da wurde, auf seichte Weise schon so ziemlich alles behandelt, was man irgendwie „gesellschaftlich“ oder von mir auch aus „philosophisch“ relevant ist. Seit wie vielen Jahren? Ich glaube, es sind nun fast schon 5 Jahrzehnte. Und das, obwohl sich der „Grundgedanke“ nie verändert hat.

    Welch eine postmoderne Chimäre.

    Um so bezeichnender ist es da meines Erachtens, dass „plötzlich“ eine uralte, bis lang nicht veröffentlichte Folge „auftaucht“ und eben jene Themen anschneidet, von denen sich so manche „Zeitgenossen“ wieder verstärkt angesprochen fühlen. Inklusive wohl jenen Wacko aus Ohio.

    Apropos Ohio: ist das nicht die „Heimat von Captain Kirk?“

    Und so weiter …

  3. philgeland schreibt:

    P. S.
    Muss mich korrigieren: wie es scheint, war „Patterns of Force“ nicht in den U.S.A. indiziert, sondern nur in Deutschland. Ist das korrekt?

    • Don Gomez schreibt:

      Soweit ich weiß, trifft das zu. Die Episode wurde in der Bundesrepublik nicht ausgestrahlt. Inzwischen ist sie aber zugänglich, bpsw. in den DVD-Editionen bei Amazon. Insofern ist das ‚plötzliche Auftauchen‘ der Folge auch eine verschwörungstheoretische Spur, die ich nicht legen wollte. Es ging mir eher um Kongruenzen und die Haltbarkeit von Deutungsparadigmen, die eben bei Star Trek auftauchen können, und dort tief in die alltagskulturellen Geschichtsbilder eindringen, um später bei Rich Iott wieder sichtbar zu werden.

      Und um jetzt noch eine kleine Nerd-Battle zu starten: Kirk wurde in Iowa geboren….😉

      • philgeland schreibt:

        Na, verschwörungstheoretische Spurensuche wäre wohl auch der falsche Ansatz.

        Asche auf mein Haupt, aber was genau ist mit … „Kongruenzen und die Haltbarkeit von Deutungsparadigmen …“ gemeint. Mir schwant da zwar etwas (vor allem bei dem zweiten Begriff), aber so richtig durchgesickert ist es nicht.

        Und die Nerd-Battle? Netter Begriff.
        „Iowa“ – „Ohio“ … Habe mir gerade mal die Karte der U.S.A angesehen. Soo weit liegen die Staaten auch nicht auseinander, nicht mal sprachlich. Egal …

      • Don Gomez schreibt:

        Deutungsparadigma meint in diesem Zusammenhang Geschichtsbild oder eine bestimmte Form, ein historisches Phänomen zu verstehen. Als Paradigma hat ein solches Geschichtsbild bestimmte leitende Kriterien des Zugriffs auf den historischen Stoff und kann damit ganz bestimmte Aspekte beobachten. Andere Aspekte wiederum können nicht beobachtet werden, weil sie von den Kriterien als irrelevant zur Erklärung des historisches Stoffes angesehen werden.

  4. philgeland schreibt:

    Danke für die gut formulierte Erklärung.

    Wenn dem so ist, dann wären „Deutungsparadigma“ also unter anderem für jedwede Form politischer Propaganda unverzichtbar. Mir fallen dabei jetzt im übrigen weniger die „klassischen Formen“ ein sondern eben jene modernen Formen, die man – Stichwort Star Trek – auch in Produktionen des Mainstreamkinos beobachten kann.

    „The Patriot“ + „Pearl Harbour“ sind da nur zwei Beispiele.

    Wie dem auch sei, es regt zum Denken an. Danke dafür!

    • Don Gomez schreibt:

      Ja, den Zusammenhang zwischen Deutungsparadigmen und politischer Mobilisierungsstrategien sehe ich auch so. Ihre Beispiele halte ich auch für zutreffend. Die Deutungen wären hier jeweils „individuelle Freiheitssehnsucht, die sich zum republikanischen Opfer steigert“ (The Patriot) und „unverschuldet durch einen feigen Angriff in den Krieg hineingezogen“ (Pearl Habor). Ich habe zu Danken!

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