Lehrevaluation in Texas

Stanley Fish äußert sich in der NYT zur Evaluation von Lehrveranstaltungen durch Studenten. Spiros von PhilosAnon hat einen seltenen Moment der Großzügigkeit und verdammt Fish nicht auf der Stelle.

Worum geht es bei Fishs Artikel? Texas hat ein Gesetz erlassen, welches die Vergütung der Uni-Dozenten von der Evaluation der Lehrveranstaltungen abhängig macht. Das Sache an sich ist nichts Neues. Die Art der Umsetzung ist Fishs Problem. Texas scheint den Studenten ein allmächtiges Instrument über ihre Dozenten und Professoren in die Hand zu legen. Fishs Argument – in Kürze – lautet: Die kurzsichtige Perspektive der faulen, gelangweilten, den Sinn von Lehrveranstaltungen nicht erkennenden Studenten schadet allen. Insbesondere aber dem akademischen Personal. Es folgt dann noch eine detaillierte Betrachtung des Sinns von Evaluationen im Allgemeinen, des besonderen Kontextes von Texas und den möglichen Konsequenzen einer solchen Regelung.

Die Argumente mögen gegen eine Evaluation in der texanischen Variante sprechen. Fishs Eingangsstatement – der eigentliche Türöffner, mit dem er die Leser an sich bindet – aber spricht gegen Fish selbst. Das typische Verhalten Erwachsener im Rückblick auf ihre Ausbildungszeit sei folgende:

“I had a high school (or a college) experience like yours,” [Fishs example person, we can all agree with, said], “and I hated it and complained all the time about the homework, the demands and the discipline; but now I am so pleased that I stayed the course and acquired skills that have served me well throughout my entire life.”

Könne man solchen Personen in ihrem unerfahrenen Zustand die Bewertung akademischen Personals überlassen? Würde diese Unerfahrenen es selbst mit ihrem aktuellen Erfahrungshorizont wollen?

Now suppose those who wrote in to me had been asked when they were young if they were satisfied with the instruction they were receiving? Were they getting their money’s worth? Would they recommend the renewal of their teachers’ contracts? I suspect the answers would have been “no,” “no” and “no,” and if their answers had been taken seriously and the curriculum they felt oppressed by had been altered accordingly, they would not have had the rich intellectual lives they now happily report, or acquired some of the skills that have stood them in good stead all these years.

Natürlich nicht! Seltsam, oder? Der gesamte Artikel bezieht seine Plausibilität aus einer unterstellten Unerfahrenheit der jungen Person, die selbst als gereifte, erfahrene Person für die Beschränkung der eigenen Entscheidungsfähigkeit votiert. Ich habe eher das Gefühl, Fish beschränkt hier eine konstruierte Situation noch am stärksten, um seinen Punkt zu machen.

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